Andreas Trabitzsch





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Susan Walke
Einführung in die Ausstellung von Andreas Trabitzsch im Kieler Kloster am 7.11.2009
"Annäherungen"

Andreas Trabitzsch, geboren 1955 in Nortorf, kommt über eine Ausbildung und Arbeit als Krankenpfleger zum Studium an der HfBK Hamburg. Seine Schwerpunkte setzt er in der Malerei, der Fotografie und der Zeichnung. 1997 erhält er ein Stipendium für Dokumentar-
Fotografie der Patriotischen Gesellschaft in Hamburg. Er beteiligt sich an verschiedenen Gruppen- und Einzelausstellungen.

Malerei, Fotografie, Zeichnung. Diese drei Sparten der Kunst führt A.T. in seiner Arbeit zusammen. Sie stehen nicht in seinem Oeuvre nebeneinander, sondern ergänzen sich auf ganz spezielle Weise. Ich werde jetzt von A.T. als Fotograf erzählen und Sie werden sehen,
wie sich diese Bereiche ineinander schieben und verzahnen und ein Neues ergeben.

A.T. fotografiert Orte, Menschen gleichsam unter die Lupe genommen. Details, Ausschnitte, Fragmente, nie die Totale, der Ort in seiner Gesamtheit bleibt für den Betrachter ein Rätsel, er wird ihn nicht aus den Fotos erschließen können. Und obwohl er analog arbeitet, also im altbekannten Schwarz-Weiß-Modus, ohne digitale Bearbeitung, traut er der Fotografie nicht alleinig zu, den Ort seiner Wahl, die Person seiner Wahl in komplexer Weise zu schildern, zu dokumentieren. Seine Dokumentationen werden erweitert durch gemalte Blätter, Zeichnungen oder / und zeichenhafte Kürzel. Beobachtetes bringt er aus dem Gedächtnis aufs Papier, das Geschehene und Gesehene wird weiter bearbeitet und verarbeitet. Wo für ihn Fotos flach erscheinen, Dinge zeigen, die nicht real sind, die daher Totes sind, trotz der "Anreicherungen" in der Dunkelkammer, können die Zeichnungen und gemalten Bilder etwas "verlebendigen", kann die Fantasie hinein spielen und andere Ebenen berühren. Assoziationen und Erinnerungen werden in die Arbeit einbezogen. Auf der Suche nach der Realität, dem Ganzen, der Totalen bedient er sich Mosaikstückchen, die er zusammen führt: Serielle Fotos, Reihen von gemalten Bildern oder Zeichnungen. Mittels dieser Kombination sucht er eine Verstärkung des subjektiven Faktors. Die Reflexe, das Zurückgespiegelte, setzt er zusammen. Mit den Ausschnitten der Wirklichkeit, als Foto oder Zeichnung, in Reihen präsentiert, löst er sich vom herkömmlichen Verständnis der Dokumentarfotografie. Es öffnen sich Zwischenräume, Bilder im Betrachter entstehen, die die bearbeiteten Situationen lebendiger erscheinen lassen. So entstehen verschiedene Blickwinkel auf Geschichten oder Situationen. Und damit sind wir beim Inhaltlichen dieser Arbeiten. Andreas Trabitzsch erzählt Geschichten. Geschichten, die er selbst erlebt hat, in die sich selbst hinein begeben hat und so zum Teil dieser Geschichten geworden ist. Also keine Dokumentation von Gesehenem, sondern eine Dokumentation von Erlebtem. Am Anfang steht eine Kontaktaufnahme, das Aufsuchen von Personen oder Orten. Dies steht in direktem Zusammenhang mit seinen Jobs.

So nenne ich sie mal, damit wir die Begriffe: Arbeit für seine künstlerischen Werke, und Arbeit: für seinen Lebensunterhalt, nicht verwechseln. Wobei gerade das Zusammenkommen dieser beiden Bereiche uns in dieser Ausstellung begegnet. In der intensiven Beschäftigung mit seinen Protagonisten stellen sich ihm Fragen: z.B. kann ich etwas abbilden? Will ich darüber etwas sagen und wenn ja was? Was brauche ich, um es tun zu können?

In der Rolle des Hausmanns entsteht die Serie mit seinem Sohn als Kleinkind. Wir sehen Ausschnitte, teilweise unscharf, angeschnitten oder nur eine Hand von ihm, in seiner Umgebung, mit den Augen des Vaters mit Neugier beobachtet. Bei seiner Arbeit als ambulanter Krankenpfleger begegnet er einem alten Mann. Dieser Mann schreibt endlose Zahlenreihen auf Blätter, auf der Suche nach einem Lottosystem. Hier ist  Andreas Trabitzsch stiller Beobachter, vom Modell unbeachtet, fast ignoriert, entsteht ein Zwiegespräch, welches in der Arbeit " ein verwinkeltes Archiv" resultiert. Es sind ruhige schwarz-weiß Fotos, die die Zurückgezogenheit auf der Suche nach dem großen Glück dokumentieren. Die beschriebenen Blätter des alten Mannes ergänzen die Arbeit mit der stillen Wehmut der Einsamkeit. Eine andere Arbeit entsteht bei der Arbeit mit Jungen im Schulalter. Im Unterricht als Lehrer fordert und fördert er sie und schaut doch auch erstaunt in ihre kleine Welt. Diese Fotos sind farbig und sie sind kombiniert mit den Fotos von Zeichnungen der Schüler. Sie sind was sie sind: Fotos: realistisch, farbig, scharf fokussiert. Sie bilden die Wirklichkeit ab, die wir meinen
Zu sehen: Jungen in ihren kleinen Welten, dem abgezirkelten Garten auf dem Schulhof, der selbst gebastelten Scheinwelt ihrer Fantasie. Wir sehen sie diesmal formal gesehen in der "Totalen" und doch bleibt die "große Welt" draußen. Wir erkennen auch dieses Mal nur wieder Puzzleteile aus dem großen Bild, das uns dokumentarisch die Welt erklären könnte. Die Welt der Jungen ist "nirgendwo" und so lautet auch der Titel dieser Serie.

Die Arbeiten von Andreas Trabitzsch fordern den Betrachter auf, Gesehenes und Gelebtes bei ihrer Betrachtung mit einzubeziehen, der subjektiven Wirklichkeit Raum zu geben und die eigene Welt in ihrer "Totalen" Stück für Stück, Bild für Bild, zu erforschen.