Andreas Trabitzsch





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Silke Grossmann, Professorin/ Lehrbeauftragte
Fachbereich Visuelle Kommunikation

Gutachterliche Stellungnahme zur photographischen Arbeit von Andreas Trabitzsch ( 1993)

Andreas Trabitzsch hat sich mit seiner künstlerischen Arbeit in der Photographie über zwei Jahre lang auf eine einzige besondere Situation eingelassen: Er hat die Lebenssituation eines alleinlebenden alten Mannes thematisiert und zugleich seine eigene Wahrnehmungsweise und die Form des photographischen Bildes erforscht. Dabei hat er auf das bei diesem Thema allzu bekannte Pathos verzichtet und auch nicht auf Standards der Dokumentarphotographie zurückgegriffen. Stattdessen entwickelte er eine ungewöhnliche Empfindsamkeit im Umgang mit einer sehr begrenzten räumlichen Realität und entdeckt darin eine Fülle von Facetten des realen Ortes, die ihn zu einer künstlerischen Auseinandersetzung anregen:
Das in der Photographie so entscheidende Verhältnis zwischen dem Photographen und dem Photographierten reflektiert er durch eine besondere Weise der Kamerabewegung und des Ausschnitts eines bewegten Raumes. Die portraitierte Person in diesem Raum ist nicht ein zentral konfrontiertes Gegenüber, wie es der traditionellen, abbildhaften Portraitphotographie entspricht. Durch den Blick des Autors wird sie in diesen Bildern vielmehr Teil eines atmosphärisch dichten Zusammenhangs. Andreas Trabitzsch geht dabei sehr bewußt mit dem spezifischen Vokabular der
Kameraphotographie um:
dem Bildrand, dem Durchblick, den Blickachsen des Bildes, der Dichte von Grauwerten, der Verhältnisse von Schärfe und Unschärfe, die einen Bildraum erzeugen.
Der gegebene Raum ist in vielfältige gleichzeitige Blickwinkel aufgebrochen - oftmals sind Teile des Raums gespiegelt. Handkamera und Spiegel sind als sehr einfache bewegliche Instrumente gebraucht, die die Aufnahmesituation nicht dominieren. Dies ist eine weitere Besonderheit der Arbeit von Andreas Trabitzsch - die geringe Dominanz der Technik.
In dieser Art der bewegten Kameraphotographie ist angelegt, daß sich die Bilder zu Bildkombinationen und längeren Bildfolgen verbinden. Ich habe den Prozeß seiner sehr genauen und reflektierten Arbeitsweise, die aus einer Fülle des Materials zu dem hier vorliegenden Buchentwurf geführt hat, teilweise begleitet.
Die für uns in der Photographie so wichtige Diskussion um einen komplexen, mehrdimensionalen Zusammenhang zwischen Bildern, der über konventionelle Formen der Serie hinausgeht, wird durch die Arbeit von Andreas Trabitzsch weitergebracht. Die Montage seiner Photographien zu einem Buch sehe ich als die adäquate Präsentationsform dieser Arbeit an. Ich halte es daher für sehr wünschenswert, wenn die anfallenden Druck- und Herstellungskosten für dieses Buchprojekt eine Förderung durch den Freundeskreis finden.